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John Galliano: Mein Verhalten machte mich krank

Mittwoch, 5. Juni 2013 / 13:45 Uhr

Nachdem im Jahr 2011 ein Videoclip an die Öffentlichkeit gelangte, in dem der Designer bei einer öffentlichen Auseinandersetzung antisemitische Pöbeleien von sich gab, kündigte ihn Christian Dior von seiner Position als Kreativ-Chef. Auch von seinem gleichnamigen Label wurde er entlassen und während des anschliessenden Gerichtsverfahrens räumte der Star seine Alkohol- und Medikamentensucht ein.

John Galliano gab antisemitische Pöbeleien von sich.

Galliano zog sich aus dem Rampenlicht zurück und begab sich in eine Entzugsklinik. In den letzten Wochen versuchte der Brite nun sein Comeback zu initiieren. Er unterstützte Oscar de la Renta (80) bei dessen Vorbereitungen auf die New York Fashion Week.

Jetzt gab er sein erstes Interview nach dem Skandal. Der Modeschöpfer sprach mit Ingrid Sischy von 'Vanity Fair' und versuchte sein Verhalten zu erklären: «Mein Assistent erzählte mir von dem Video. Als ich es sah, musste ich mich übergeben - Ich war wie gelähmt vor Angst. Es ist das schlimmste, was ich je in meinem Leben gesagt habe, aber ich habe das nicht so gemeint - Ich habe versucht herauszufinden, warum sich meine Wut gegen diese Menschen richtete. Ich realisiere jetzt, dass ich so furchtbar wütend und mir selbst so fremd war, dass ich einfach das Gehässigste sagte, was mir einfiel.»

Bei Christian Dior arbeitete Galliano eng mit Bill Gaytten zusammen, der nach seiner Entlassung seine Nachfolge antrat. Die Beziehung der beiden liegt jetzt auf Eis: «Bill fragte mich, ob ich realisierte, was ich zum Teufel getan habe. Ich sagte ja, aber ich hatte es noch nicht gerafft. Das waren die letzten Worte, die wir miteinander gesprochen haben. Das ist jemand, den ich 30 Jahre lang kannte. Sogar jetzt erfahre ich noch jeden Tag, wie viele Leute ich verletzt habe», bedauerte der Künstler.

Die Freunde von Galliano haben anscheinend vor dem Skandal bereits versucht, den Designer dazu zu bewegen, sein Leben zu ändern. Dior-Chef Sidney Toledano lud ihn zu einem Abendessen ein und nutzte die Gelegenheit, um ihm ins Gewissen zu reden. Galliano jedoch feuerte zurück und riet Toledano, sich gesünder zu ernähren. Bernard Arnault, Hauptaktionär des Modehauses und Präsident des Luxusgüterkonzerns LVMH, tat sich mit Toledano zusammen, um Galliano zu warnen. Sie fürchteten, dass er sterben könnte, wenn er seine Süchte nicht in den Griff bekommt. Doch der Modemacher riss sich das T-Shirt vom Leib und erwiderte: «Sieht so der Körper eines Alkoholikers aus?»

Viele andere Freunde trauten sich nicht, den Designer auf seine Sucht anzusprechen. «Alkohol war erst so etwas wie eine Krücke für mich ausserhalb von Dior. Nach den Kollektionen stürzte ich damit ab. Ich brauchte zwei Tage, um mich davon zu erholen. Aber umso mehr Kollektionen ich machte, um so öfter hatte ich einen Absturz und irgendwann wurde ich zu einem Sklaven des Alkohols. Dann kamen die Medikamente dazu, weil ich nicht mehr schlafen konnte. Darauf folgten weitere Tabletten, weil ich nicht mehr mit dem Zittern aufhören konnte - Teilweise schlief ich fünf Tage lang nicht, ging in Buchläden und kaufte Selbsthilfebücher, aber ich verleugnete das noch immer. Ich ging wieder ins Fitnessstudio und achtete auf meine Ernährung. Und dann ging alles wieder von vorne los.»

Nach seinem Entzug suchte der Designer die Anti-Defamation League in New York auf, die gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt.

«Es hört sich komisch an, aber ich bin dankbar dafür, was geschehen ist. Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe den kleinen Jungen wieder entdeckt, der das Verlangen hatten, etwas zu kreieren - das hatte ich verloren. Ich bin am Leben», schloss John Galliano.
(tafi/Cover Media)


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